Break-even-Punkt in der Gastronomie: Wie Sie Ihre magische Gästezahl berechnen
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Break-even-Punkt in der Gastronomie: Wie Sie Ihre magische Gästezahl berechnen

„Wie viele Gäste brauche ich am Tag, um nicht ins Minus zu rutschen?" Die Frage klingt einfach, ist aber eine der zentralen Kennzahlen im Restaurantgeschäft. Der Break-even-Punkt ist der Moment, in dem Ihre Einnahmen alle Kosten decken. Er ist weit mehr als nur eine Zahl - er ist Ihr Navigationsinstrument im oft unberechenbaren Gastro-Alltag.

Was sind Fixkosten?

Fixkosten sind Ausgaben, die unabhängig davon anfallen, ob Ihr Lokal voll oder leer ist. Miete, Versicherungen, Gehälter fester Mitarbeiter, Strom für Licht und Kühlung - all das muss jeden Monat bezahlt werden, auch wenn geschlossen ist.

In einem durchschnittlichen Restaurant mit 50 bis 80 Plätzen liegen diese Fixkosten meist zwischen 12.000 und 20.000 Euro pro Monat. In Städten wie München oder Hamburg deutlich mehr, in kleineren Orten entsprechend weniger.

Diese Kosten sind Ihr täglicher Gegner. Jeden Tag müssen Sie sie durch Ihre Gäste einspielen.

Deckungsbeitrag - Ihr wichtigster Verbündeter

Wenn ein Gast 22 Euro für ein Hauptgericht zahlt, bleibt davon nicht alles als Gewinn. Wareneinsatz, anteilige Löhne für Küche und Service werden abgezogen. Der Rest ist Ihr Deckungsbeitrag - also der Betrag, mit dem Sie Ihre Fixkosten decken können.
 
In der deutschen Gastronomie liegt der Deckungsbeitrag in der Regel zwischen 55 und 70 Prozent des Umsatzes. Das hängt stark vom Konzept ab: Burgerläden arbeiten anders als Steakrestaurants oder Pizzerien. Entscheidend ist der Wareneinsatz.

Rechnen wir es durch

Ein Beispiel: Ihr Restaurant hat monatliche Fixkosten von 15.000 Euro.
Der Durchschnittsbon liegt bei 28 Euro, der Deckungsbeitrag bei 60 Prozent.
60 Prozent von 28 Euro ergeben 16,80 Euro Deckungsbeitrag pro Gast.
 
Die Rechnung: 15.000 Euro geteilt durch 16,80 Euro ergibt 893 Gäste pro Monat.
 
Bei 26 Öffnungstagen bedeutet das etwa 34 Gäste pro Tag. Erst ab dem 35. Gast verdienen Sie Geld.
 
Diese Zahl verändert die Perspektive. Jede Reservierung, jeder zusätzliche Gast wird zu einer klar messbaren Größe.

Warum der Durchschnittsbon so entscheidend ist

Angenommen, Sie erhöhen den Durchschnittsbon von 28 auf 32 Euro - zum Beispiel durch Upselling, Desserts oder clevere Menügestaltung.
 
Bei 60 Prozent Deckungsbeitrag haben Sie dann 19,20 Euro pro Gast.
Neue Break-even-Rechnung: 15.000 geteilt durch 19,20 = 781 Gäste pro Monat.
 
Sie brauchen also 112 Gäste weniger für denselben wirtschaftlichen Erfolg.

Die Realität ist komplexer als jede Formel

Natürlich verläuft das Geschäft nicht linear. Starke Wochenenden gleichen schwache Werktage aus. Der Dezember rettet oft das ganze Jahr.
 
Deshalb lohnt es sich, den Break-even-Punkt auch in verschiedenen Szenarien zu berechnen. In schwächeren Monaten genügt oft schon 75 bis 80 Prozent der durchschnittlichen Gästezahl, um kostendeckend zu arbeiten - vorausgesetzt, Sie passen die variablen Kosten entsprechend an.

Drei Stellschrauben für bessere Ergebnisse

Die Break-even-Analyse zeigt drei mögliche Hebel:
 

Fixkosten senken - etwa durch Mietverhandlungen oder günstigere Versicherungen

Deckungsbeitrag erhöhen - zum Beispiel durch bessere Einkaufskonditionen oder gezielte Preisanpassungen

Gästezahl steigern - das ist aufwendiger, aber langfristig am stabilsten
 
Gerade der dritte Hebel erfordert kontinuierliche Arbeit: gutes Marketing, überzeugender Service, Weiterempfehlungen.

Wie Sie das Wissen im Alltag nutzen

Diese Zahlen sind kein Theoriewerk. Sie helfen bei konkreten Entscheidungen:
Lohnt sich eine Renovierung? Kann ein weiterer Mitarbeiter eingestellt werden? Ist eine Werbekampagne wirtschaftlich sinnvoll?
 
Wenn das Team weiß, dass ab dem 35. Gast am Tag Gewinn erzielt wird, bekommt jede Reservierung eine neue Bedeutung. Das motiviert und fokussiert.
 
Überprüfen Sie Ihre Zahlen regelmäßig. Neue Lieferverträge, Preissteigerungen, Personalwechsel - all das beeinflusst Ihre Break-even-Schwelle.
 
Den eigenen Break-even-Punkt zu kennen, ist wie ein Cockpit im Flugzeug. Es ersetzt nicht die Erfahrung, aber schützt davor, im Blindflug abzustürzen - auch bei Turbulenzen.

Autorenzeile:

Konstantin Pinski

Konstantin Pinski ist Mitgründer von Let'sGastro und Gastronom in Berlin seit 2014. Er hat fünf Gastronomieprojekte gestartet und begleitet — darunter Masel Topf, June Six, Restaurant Eli und gerade entsteht ein weiteres Restaurant in Berlin-Grunewald.

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